Wie die Digitalisierung die tägliche Koordination auf Baustellen verändert
07/09/2026
Von der Tafel zum Touchscreen: Wie die Digitalisierung die tägliche Koordination auf Baustellen verändert
Bei CSC Costruzioni verwandelt ein intern entwickeltes digitales Tool das tägliche Baustellenbriefing in einen strukturierteren, visuellen und nachvollziehbaren Prozess.
Jeden Nachmittag kommen die Unternehmen auf den Baustellen zusammen, um die für den nächsten Tag geplanten Aktivitäten zu koordinieren: Wer wird vor Ort sein? Wo wird welches Unternehmen arbeiten? Wie viele Personen werden beteiligt sein? Und bei welchen Tätigkeiten können besondere Risiken auftreten?
Jahrelang basierte dieses Treffen weitgehend auf einer Tafel. Die Unternehmen stellten nacheinander ihre geplanten Aktivitäten vor, während eine dafür zuständige Person die Informationen auf der Tafel festhielt. Mögliche Überschneidungen wurden im gemeinsamen Austausch identifiziert, die fertige Tafel wurde fotografiert und die Besprechung anschließend beendet.
Ein bewährter Ansatz – allerdings nicht ohne Grenzen. Die Koordination erfolgte Schritt für Schritt, die Informationen wurden häufig von einer anderen Person erfasst als von derjenigen, die die Tätigkeit tatsächlich ausführen würde, und das abschließende Foto stellte lediglich eine Momentaufnahme der Besprechung dar.
Bei CSC Costruzioni, einem Unternehmen der Webuild Group, wurde dieser Prozess mit DABS – Daily Activity Briefing Board neu gedacht. Das intern entwickelte digitale Tool soll die tägliche Koordination visueller, kollaborativer und nachvollziehbarer gestalten.
Von der Diskussion zu einem gemeinsamen Plan
DABS ersetzt die herkömmliche Tafel durch einen interaktiven Touchscreen, auf dem der Lageplan des jeweils besprochenen Bereichs angezeigt wird.
Der Unterschied liegt dabei nicht nur in der Technologie, sondern vor allem in der Art und Weise, wie die Besprechung durchgeführt wird. Jedes Unternehmen trägt seine Aktivitäten direkt auf dem Lageplan ein und gibt dabei die geplanten Arbeiten, die Anzahl der beteiligten Personen sowie gegebenenfalls die Einstufung der Tätigkeit als Tätigkeit mit hohem Risiko an.
Alle Beteiligten sehen dieselben Informationen in Echtzeit.
Dadurch werden mögliche Überschneidungen sofort sichtbar. Wenn beispielsweise zwei Unternehmen im selben Bereich arbeiten oder denselben Zugang nutzen wollen, wird diese Überschneidung direkt auf dem Lageplan angezeigt. Die Situation kann somit bereits während der Besprechung diskutiert und gelöst werden, bevor sie zu einem operativen Problem auf der Baustelle wird.
Das System weist zudem auf Bereiche mit Einschränkungen hin. Diese werden direkt auf dem Lageplan hervorgehoben und lösen eine Warnmeldung aus, wenn dort eine Tätigkeit geplant wird. Andere Bereiche, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, können ebenfalls gekennzeichnet werden, ohne dass die Eingabe von Aktivitäten verhindert wird.
Das Ziel ist einfach: Die Koordination soll von rein verbalen Beschreibungen hin zu einer gemeinsamen visuellen Referenz geführt werden.
Eine Besprechung mit einer klar definierten Struktur
Die Digitalisierung sorgt auch für mehr Einheitlichkeit bei der Durchführung der Besprechung.
DABS kann zunächst den Plan des Vortages importieren. Das Team startet damit nicht bei null, sondern mit einer bereits definierten Ausgangssituation. Anschließend wird die Anwesenheit der einzelnen Unternehmen erfasst, gefolgt von der Überprüfung der als risikoreich eingestuften Aktivitäten.
Erst danach kann der Lageplan bearbeitet werden.
Am Ende der Besprechung kann der gesamte Plan im A3-Format exportiert und per E-Mail an die beteiligten Unternehmen versendet werden. Dasselbe Dokument dient damit als operative Referenz für den folgenden Arbeitstag – auch für diejenigen, die nicht am Briefing teilgenommen haben.
Das Ergebnis ist somit nicht nur eine schnellere Besprechung, sondern auch eine dokumentierte Aufzeichnung der getroffenen Entscheidungen.
Digital, aber bewusst einfach
DABS basiert auf einer bewusst schlanken Architektur.
Das Tool funktioniert direkt über einen Webbrowser und nutzt einen bereits bestehenden SharePoint-Ordner zur Ablage der Protokolle und Tagespläne. Dedizierte Server, zusätzliche Lizenzen oder Softwareinstallationen sind nicht erforderlich. Für jede Besprechung wird eine einzelne Datei erstellt, wodurch innerhalb der bereits vorgesehenen Projektdokumentation eine chronologische Abfolge entsteht.
Die Benutzeroberfläche ist auf Englisch und Französisch verfügbar und kann direkt über den Touchscreen bedient werden. Weitere Computer können auf dasselbe Board im Nur-Lese-Modus zugreifen. So können auch die Teams in den Baustellenbüros die Besprechung in Echtzeit verfolgen.
Diese Einfachheit ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts: Statt eine weitere komplexe Plattform in eine ohnehin umfangreiche digitale Umgebung einzuführen, konzentriert sich DABS auf einen spezifischen Prozess und integriert sich in die bereits im Projekt eingesetzten Werkzeuge.
Sicherheit und Nachvollziehbarkeit
Der Mehrwert des Systems geht über die reine Zeitersparnis hinaus.
Die tägliche Koordination ist auch ein Sicherheitsprozess. Zu wissen, welche Unternehmen in bestimmten Bereichen tätig sind, risikoreiche Aktivitäten zu identifizieren und mögliche Überschneidungen zu koordinieren, gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Baustellenorganisation.
Bei einer herkömmlichen Tafel gingen viele dieser Informationen verloren, sobald die Tafel gelöscht wurde. Mit DABS erzeugt hingegen jede Besprechung eine datierte Aufzeichnung mit den geplanten Aktivitäten, den eingesetzten Ressourcen, den Anwesenheiten und den identifizierten Risiken.
So entsteht eine echte Chronologie der täglichen Koordination. Dadurch lässt sich leichter nachvollziehen, was geplant, kommuniziert und vereinbart worden war.
Die strukturierte Abfolge reduziert zudem Unterschiede bei der Durchführung der Besprechungen. Aktivitäten mit hohem Risiko werden systematisch überprüft, unabhängig von den individuellen Gewohnheiten der Person, die das Briefing leitet.
Eine Innovation, die auf der Baustelle entwickelt wurde
Für CSC Costruzioni ist DABS Teil eines umfassenderen Innovationsansatzes im Bauwesen: Digitale Lösungen sollen aus konkreten operativen Anforderungen heraus entwickelt werden, anstatt Technologie um ihrer selbst willen einzuführen.
Das Tool wurde von den Teams von CSC Costruzioni entwickelt und anhand des direkten Feedbacks der Mitarbeitenden, die es einsetzen, kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Funktionen – darunter Warnmeldungen für Bereiche mit Einschränkungen, die zweisprachige Benutzeroberfläche und die strukturierte Abfolge der Besprechung – wurden als Reaktion auf Anforderungen eingeführt, die sich aus der praktischen Anwendung vor Ort ergeben haben.
Dieser Ansatz ermöglicht es, das Tool im Rhythmus des Projekts weiterzuentwickeln.
DABS wird derzeit bei der Renovierung eines historischen Gebäudes in Genf eingesetzt, das ausländische Delegationen beherbergt. Dort ist die Koordination zwischen mehreren Unternehmen, Aktivitäten und Arbeitsbereichen ein zentraler Bestandteil der täglichen Baustellenorganisation.
Von der Tafel zu einem gemeinsamen digitalen Arbeitsbereich
Die Veränderung mag auf den ersten Blick einfach erscheinen: ein Touchscreen anstelle einer Tafel.
Doch der Wandel geht tiefer. Anstatt einer einzigen Person die Aufgabe zu übertragen, die von den einzelnen Unternehmen kommunizierten Informationen festzuhalten, tragen die Unternehmen ihre Aktivitäten selbst ein. Anstatt Überschneidungen ausschließlich im verbalen Austausch zu identifizieren, werden sie direkt auf dem Lageplan sichtbar. Und anstatt die Besprechung mit einem Foto abzuschließen, das schnell in den Projektarchiven verloren gehen kann, entsteht ein strukturiertes Dokument, das geteilt und auch zu einem späteren Zeitpunkt eingesehen werden kann.
DABS ist ein Beispiel für pragmatische Digitalisierung: Ein bestehender Prozess wird analysiert, Schwachstellen werden identifiziert – etwa dort, wo Informationen verloren gehen oder Entscheidungen verbessert werden können – und Technologie wird gezielt eingesetzt, um den Prozess effizienter zu gestalten.
Innovation auf der Baustelle bedeutet nicht zwangsläufig, mehr Komplexität zu schaffen. Manchmal bedeutet sie einfach, bereits vorhandene Informationen sichtbarer, nützlicher und leichter in konkrete Maßnahmen überführbar zu machen.