Ein historisches Gebäude in Genf vor Brandrisiken schützen

17/07/2026

Ein risikobasierter Ansatz für die Sanierung eines historischen Gebäudes in Genf

 

Bei grossen Sanierungsprojekten historischer Gebäude mit hohem institutionellem Wert weist das Brandrisiko ganz andere Eigenschaften auf als auf einer klassischen Baustelle. Wird ein Gebäude nur teilweise ausser Betrieb genommen, können bestehende Brandschutzsysteme möglicherweise nicht mehr vollständig funktionsfähig sein, während gleichzeitig neue Zündquellen, brennbare Materialien und besonders sensible Bereiche vorhanden sind.

In diesem Kontext wird das Gebäude selbst zu einem Bestandteil des Risikoszenarios.

Der von CSC Costruzioni (Webuild Group) im Rahmen der Sanierung eines historischen Gebäudes in Genf entwickelte Ansatz entstand aus der Notwendigkeit, eine Umgebung mit umfangreichen Renovierungsarbeiten, etappenweisen Rückbauarbeiten und der ständigen Koexistenz zwischen aktiven Baustellenbereichen und sensiblen Räumen zu steuern.

Unter diesen Bedingungen besteht die Herausforderung nicht nur darin, einen Brand zu verhindern, sondern ein Risiko zu beherrschen, das sich kontinuierlich in Abhängigkeit von den ausgeführten Arbeiten, den Bauphasen und den unterschiedlichen Nutzungszuständen des Gebäudes verändert.

 

Ein Risiko, das gemessen und nicht nur angenommen werden muss

Die angewandte Methodik basiert auf einem einfachen, aber strukturierten Prinzip: Das Risiko wird durch die Kombination von Eintrittswahrscheinlichkeit und potenzieller Auswirkung quantifiziert.

Jeder Baustellenbereich wird anhand dieser beiden Dimensionen bewertet. Eine Einstufung von eins bis vier ergibt einen Gesamt-Risikoindex zwischen eins und sechzehn.

Dieses System verwandelt eine häufig qualitative Bewertung in ein operatives Instrument zur Entscheidungsunterstützung. Die am stärksten gefährdeten Bereiche werden unmittelbar identifiziert, ebenso wie Phasen mit reduziertem Risiko, beispielsweise bei temporären Unterbrechungen bestimmter Arbeiten.

Ziel ist nicht die vollständige Eliminierung des Risikos, sondern dessen zeitliche und räumliche Steuerung, indem kritische Situationen von besonders schützenswerten Bereichen ferngehalten werden.

 

Eine mehrstufige Schutzstrategie

Die Präventionsmassnahmen werden schrittweise und entsprechend der tatsächlichen Risikoexposition aktiviert.

Die erste Ebene umfasst grundlegende organisatorische Massnahmen: Genehmigungsverfahren für Heissarbeiten, geschultes Personal, Feuerlöscher in unmittelbarer Nähe der Arbeitsbereiche, Kontrolle provisorischer Elektroinstallationen sowie die dauerhafte Sicherstellung der Fluchtwege. Einfache Massnahmen, die jedoch die Grundlage des gesamten Systems bilden.

Steigt das Risikoniveau, kommt eine zweite Schutzebene zum Einsatz, welche die Erkennungsfähigkeit durch regelmässige thermografische Kontrollen, an Baustellenbedingungen angepasste Rauchmeldesysteme und lineare wärmeempfindliche Kabel verstärkt. Diese können flexibel an den Fortschritt der Arbeiten angepasst werden.

Für besonders kritische Bereiche ist schliesslich eine dritte Schutzebene vorgesehen, die auf kontinuierlicher Wärmeüberwachung, spezialisierten Brandschutzkontrollen und einer permanenten Überwachung von Auffälligkeiten basiert. Im Genfer Projekt wurde diese Ebene für historische Bereiche und Räume mit besonderem architektonischem und kulturellem Wert eingesetzt.

 

Gefahren erkennen, bevor ein Brand entsteht

Zwei Technologien haben entscheidend zur Wirksamkeit des Systems beigetragen.

Die erste ist die lineare Temperaturerfassung mittels verteilter Glasfasertechnik. Diese auch in Tunnelinfrastrukturen eingesetzte Technologie verwandelt das Kabel in einen kontinuierlichen Sensor, der Temperaturveränderungen über grosse Distanzen erkennt und mögliche Überhitzungspunkte präzise lokalisiert – auch in staubigen Umgebungen und Bereichen mit häufigen Veränderungen.

Die zweite Technologie ist die radiometrische Thermografie. Jedes Bildpixel entspricht einer realen Temperaturmessung und ermöglicht es, überhitzte Komponenten lange vor dem Auftreten von Rauch oder Flammen zu erkennen. Auf der Baustelle wurden mehrere Kameras installiert, um die sensibelsten Innen- und Aussenbereiche kontinuierlich zu überwachen. Alle Systeme sind an eine zentrale Alarmplattform angeschlossen.

 

Ein Modell für weitere komplexe Projekte

Obwohl das Modell von CSC Costruzioni im Rahmen der Sanierung eines historischen Gebäudes in Genf entwickelt wurde, lässt es sich auf andere Szenarien mit hoher operativer Komplexität übertragen, beispielsweise Tunnelbaustellen, industrielle Anlagenstillstände oder Sanierungsprojekte bei teilweiser Gebäudenutzung.

In all diesen Kontexten gelten dieselben Grundprinzipien: Risiken kontinuierlich bewerten, das Schutzniveau an die Entwicklung der Baustelle anpassen und organisatorische Massnahmen, Überwachungstechnologien und menschliche Präsenz in ein dynamisches Sicherheitssystem integrieren.

 

Sicherheit als dynamischer Prozess

Das Management des Brandrisikos auf komplexen Baustellen kann nicht länger als statische Sammlung von Vorgaben betrachtet werden. Es entwickelt sich zunehmend zu einem dynamischen Prozess der Risikoanalyse und Ressourcensteuerung.

Unabhängig von den eingesetzten Technologien bleibt das Grundprinzip unverändert: Die am stärksten exponierten Bereiche kontinuierlich zu identifizieren und die Präventions- und Kontrollmassnahmen entsprechend anzupassen.

Ein Ansatz, der nicht nur Menschen und Kulturgüter schützt, sondern auch ein wirksames Instrument zur Bewältigung der operativen Komplexität grosser Sanierungsprojekte darstellt.

Newsletter abonnieren