Den Baufortschritt neu denken
09/10/2026
Eine Person, ein Tablet, eine Stunde: Die Baufortschrittsdokumentation neu denken
Bei einem Großprojekt zur Renovierung eines historischen Gebäudes in Genf, das ausländische Delegationen empfängt, verändert eine speziell entwickelte digitale Lösung die Dokumentation des Baufortschritts. Ein fragmentierter und arbeitsintensiver Prozess wird durch einen optimierten Workflow ersetzt, mit dem sich ein vollständiger Bericht in weniger als einer Stunde erstellen lässt.
Im Bauwesen wird digitale Innovation zunehmend nicht mehr an der technischen Komplexität einer Lösung gemessen, sondern daran, wie wirkungsvoll sie bestehende Arbeitsabläufe verändert: unnötige manuelle Tätigkeiten reduziert, die Zuverlässigkeit von Informationen verbessert und Projektteams in die Lage versetzt, fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Diesem Ansatz folgt Site Photos, eine intern entwickelte Anwendung, die die wöchentliche fotografische Bestandsaufnahme des Gebäudes vereinfacht und die Erstellung des zugehörigen Fortschrittsberichts automatisiert.
Was traditionell den Einsatz eines Fotografen und eines technischen Zeichners erforderte und insgesamt schätzungsweise 9 bis 12 Arbeitsstunden in Anspruch nahm, kann heute von einer einzigen Person mit einem Tablet erledigt werden – einschließlich des Baustellenrundgangs und in weniger als einer Stunde.
VON DER BESTANDSAUFNAHME VOR ORT ZU PROJEKTRELEVANTEN INFORMATIONEN
Fotografische Bestandsaufnahmen spielen eine entscheidende Rolle bei der Dokumentation des Baufortschritts. Sie liefern dem Bauherrn und den Projektteams eine verlässliche visuelle Aufzeichnung der Arbeiten auf der Baustelle.
Doch das Fotografieren ist lediglich der erste Schritt.
Bei herkömmlichen Arbeitsabläufen müssen die Bilder anschließend heruntergeladen, umbenannt, handschriftlichen Notizen zugeordnet, in Geschossplänen verortet, mit Blickrichtungen versehen und schließlich zu einem strukturierten Bericht zusammengestellt werden.
Site Photos vereint all diese Arbeitsschritte in einem einzigen digitalen Workflow.
Die am 4. September 2026 durchgeführte Bestandsaufnahme veranschaulicht das Potenzial der Lösung: 14 Geschosse, 50 Erfassungsstandorte und 50 Fotografien wurden noch am selben Tag in einen 66-seitigen Bericht überführt – einschließlich interaktiver Geschosspläne und vollständig referenzierter Fotodokumentation.
Der Mehrwert liegt somit nicht allein in der Beschleunigung eines bestehenden Prozesses, sondern auch in der Beseitigung eines Großteils des Verwaltungsaufwands, der traditionell damit verbunden ist.
ZEITEINSPARUNGEN IN OPERATIVEN MEHRWERT VERWANDELN
Die Auswirkungen auf die Produktivität werden besonders deutlich, wenn man den herkömmlichen Arbeitsablauf in seine einzelnen Schritte unterteilt. Mit Site Photos lässt sich der gesamte Prozess von einer einzigen Person in weniger als einer Stunde durchführen.
Bei rund 50 wöchentlichen Bestandsaufnahmen pro Jahr ergibt sich daraus ein potenzielles Einsparpotenzial von 400 bis 500 Arbeitsstunden.
Die Bedeutung dieser Einsparung geht jedoch über die reine Zeitersparnis hinaus. Indem repetitive und administrative Tätigkeiten reduziert werden, können Projektressourcen gezielt für Aufgaben eingesetzt werden, bei denen technisches Fachwissen, Analyse und Entscheidungsfindung einen größeren Mehrwert schaffen.
TECHNOLOGIE, DIE AUF DIE REALITÄT DER BAUSTELLE AUSGERICHTET IST
Die Anwendung wurde bewusst nach einem einfachen Grundsatz entwickelt: Technologie sollte sich an die Arbeitsweise vor Ort anpassen, anstatt eine zusätzliche Ebene der Komplexität zu schaffen.
Der Ablauf ist unkompliziert: Position im Plan auswählen, Foto aufnehmen und Aufnahmerichtung erfassen.
Die Anwendung ist über Tablets und Smartphones zugänglich, lässt sich direkt über einen Webbrowser installieren und funktioniert auch offline. Gerade in einem großen und komplexen Gebäude, in dem die Netzabdeckung je nach Bereich variieren kann, ist dies ein wesentlicher Vorteil.
Die Geschosspläne werden einmalig im PDF-Format hochgeladen, wobei für jedes Geschoss ein eigener Plan vorgesehen ist.
Während der Bestandsaufnahme wählt der Anwender seinen Standort direkt im Plan aus. Anschließend öffnet sich unmittelbar die Kamera, während die Anwendung automatisch eine nummerierte Positionsmarkierung – Loc01, Loc02 usw. – erstellt und das Foto dieser Position zuordnet.
Ein digitaler Kompass erfasst die Aufnahmerichtung, die anschließend im Plan durch einen Sichtkegel dargestellt wird. Dadurch ist auf einen Blick erkennbar, wo das Foto aufgenommen wurde und welcher Bereich damit dokumentiert werden soll.
VON WÖCHENTLICHEN MOMENTAUFNAHMEN ZU EINER KONTINUIERLICHEN FORTSCHRITTSDOKUMENTATION
Jede wöchentliche Bestandsaufnahme bildet einen neuen Berichtszyklus. Anstatt jedes Mal von vorne zu beginnen, übernimmt die Anwendung die Konfiguration der Erfassungsstandorte aus der Vorwoche.
So entsteht eine konsistente fotografische Dokumentation derselben Standorte über einen längeren Zeitraum. Veränderungen im Baufortschritt lassen sich dadurch leichter erkennen und miteinander vergleichen.
Die Positionen können angepasst werden, wenn sich die räumliche Konfiguration des Gebäudes verändert. Fertiggestellte oder vorübergehend nicht genutzte Geschosse können ausgegraut und gesperrt werden. Ein Fortschrittszähler erfasst zudem die Anzahl der aufgenommenen Fotos im Verhältnis zum vorgesehenen Ziel von rund 50 Aufnahmen pro Bestandsaufnahme.
Das Ergebnis ist weit mehr als eine Sammlung wöchentlicher Fotografien: Es entsteht eine strukturierte, langfristige Dokumentation des Projektfortschritts, die auf konsistenten Standorten und standardisierten Informationen basiert.
WENN SICH DER BERICHT VON SELBST ERSTELLT
Nach Abschluss der Bestandsaufnahme muss der Anwender lediglich die Funktion „Exportieren“ auswählen.
Die Anwendung erstellt automatisch ein ZIP-Archiv, das sowohl den fertigen PDF-Bericht als auch sämtliche Bilddateien enthält.
Der Bericht umfasst ein individuell gestaltetes Deckblatt, die wichtigsten Kennzahlen, ein Inhaltsverzeichnis und die Geschosspläne aller Ebenen. Auf jedem Plan sind die zugehörigen Positionsmarkierungen und Aufnahmerichtungen eingezeichnet.
Die Markierungen sind interaktiv: Ein Klick auf eine Position führt direkt zum entsprechenden Foto. Umgekehrt enthält jedes Foto einen Link zurück zum zugehörigen Ausgangsplan.
Zur Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit werden die Bilder automatisch mit den erforderlichen Informationen versehen: Geschoss, Standort und Aufnahmezeitpunkt.
Auch die Dateiverwaltung ist standardisiert. Die Bilder werden auf ein einheitliches Format skaliert und nach einer festgelegten Konvention umbenannt.
Der resultierende Medienordner kann anschließend direkt nach SharePoint übertragen werden – ohne manuelles Umbenennen, Sortieren oder zusätzliche Nachbearbeitung.
VON DER DIGITALISIERUNG ZU EINER NEUEN ARBEITSWEISE
Dieses Beispiel verdeutlicht ein übergeordnetes Prinzip der digitalen Transformation im Bauwesen: Die größten Produktivitätsgewinne entstehen nicht zwangsläufig durch den Einsatz immer ausgefeilterer Technologien, sondern durch das grundlegende Überdenken der Prozesse rund um alltägliche Projektaktivitäten.
Indem Datenerfassung, räumliche Verortung, Bildverwaltung und Berichtserstellung in einem einzigen Workflow zusammengeführt werden, verwandelt Site Photos eine wiederkehrende administrative Aufgabe in einen strukturierten, standardisierten und unmittelbar nutzbaren Prozess.
Das Grundprinzip ist einfach: weniger manuelle Eingaben, weniger Zwischenschritte und mehr Zeit für Analyse, Baustellenmanagement und fundierte Entscheidungen.
Da Bauprojekte zunehmend informationsintensiver werden, entwickelt sich die Fähigkeit, verlässliche Daten direkt vor Ort zu erfassen und rasch in verwertbare Projektinformationen umzuwandeln, zu einem wesentlichen Bestandteil der operativen Leistungsfähigkeit.
Vor diesem Hintergrund veranschaulicht Site Photos einen grundlegenden Wandel in der Digitalisierung des Bauwesens: Technologie entfaltet ihren größten Nutzen, wenn sie nahezu unsichtbar wird – wenn sie unmittelbar in die Arbeitsabläufe der Teams integriert ist, anstatt als zusätzliche Ebene auf bestehende Prozesse aufgesetzt zu werden.